Testbericht Waka Steeze

Der Waka Steeze ist ein River Runner, der durch seinen optionalen Heckaufsatz (Pod) zu einem vollwertigen Creeker umfunktioniert werden kann. Diese Idee hat mich fasziniert, denn man kann so natürlich zwei Bootsklassen fahren, aber man muss nur eines auf dem Autodach herumkutschieren. Das spart sehr viel Platz und Geld. Aber das würde den Waka Steeze eigentlich zu einer eierlegenden Wollmilchsau machen. Ob das tatsächlich so ist, wollte ich herausfinden, und wie der Zufall (es war wirklich Zufall!) so will, ist mir Andi vom paddelladen.de über den Weg gepaddelt und hat mir prompt ein Exemplar in die Hand gedrückt. Hier also meine Meinung zum Waka Steeze:

Die Eckdaten

Länge: 273 cm     Leergewicht: 21 kg (knapp 24 kg mit Pod)     Breite: 68 cm     Empfohlenes Paddlergewicht: 65-110 kg     Volumen: 300 Liter ohne Aufsatz und 360 Liter mit Aufsatz     Lukengröße: Big Hole

Sieht man sich die Eckdaten an, erkennt man gleich: Man hat es mit einem sehr großen Schiff zu tun! 300 Liter für einen River Runner sind bereits sehr viel, und mit insgesamt 360 Litern gehört das Boot zu den volumenstärksten Creekern auf dem Markt. Das Leergewicht für die Flachheckvariante liegt in einem vernünftigen Bereich. Bedingt durch das höhere Gewicht im Bug liegt das Boot nicht ganz so locker auf der Schulter. Mit der voll beladenen Creekerversion eine schwere Portage durchzuführen, ist allerdings schon ein Brett. Dafür liegt das Boot mit Heckaufsatz jetzt sehr gut auf der Schulter. Mit 68 cm ist der Steeze recht breit. Das hat sich für mich allerdings positiv angefühlt, denn die Sitzposition ist dadurch sehr komfortabel.

Die Ausstattung

Die Ausstattung ist ohne überflüssigen Schnickschnack und sehr gut verbaut. Die Sitzanlage hilft, eine gute Position einzunehmen, und lässt sich in drei Positionen verstellen. Die Hüftfittings bleiben dank einer großen Klettfläche und einem Gurt an Ort und Stelle und können mit zusätzlichen Schaumstoffscheiben bestückt werden. Der Rückengurt gibt guten Support und lässt sich leicht einstellen. Der Stauraum im Heck ist gut zugänglich und sollte völlig ausreichen! Die Ratschen für den Rückengurt sind ordentlich hinter dem Wulst des Süllrandes verbaut und hängen nicht störend in die Luke hinein. Ein ganz großes Plus!

Im Originalzustand reichen die  gepolsterten Schenkelstützen weit in das Cockpit. Wer das nicht möchte, muss sie selber etwas stutzen. Einstellen lässt sich hier nichts. Das war aber auch nicht nötig. Ich habe selten so komfortabel meine Knie unterbringen können.

Die Prallplatte ist solide gebaut und über das bewährte Konzept mit Aluleisten leicht zu verstellen. Wer kurze Beine hat sollte, sich allerdings überlegen, zusätzlich Fittingmaterial anzubringen. Der Spalt zwischen Bootshülle und Fußauflage kann schon sehr groß werden.

Das Boot hat fünf kunststoffummantelte Griffe, die alle an sinnvollen Plätzen angebracht sind. Ein wahrhaftig großer Pluspunkt sind die in die Bootshülle eingelassenen Gewinde. Mit diesem Konzept mussten lediglich für die Prallplatte 4 Löcher in die Hülle gebohrt werden. Der Waka Steeze bleibt mit einer guten und passenden Spritzdecke trocken! Top!

Bleibt noch der Heckaufsatz: 4 Sechskantschrauben mit Unterlegscheiben halten das gute Stück in Position. Die Zeit zum Anbringen und Abbauen beträgt deutlich unter 5 Minuten und ist wirklich nicht nennenswert. Der Sechskantschlüssel wird mitgeliefert und versteckt sich im Schaumstoff im Heck des Bootes. Mit diesem lassen sich auch alle anderen Schrauben feststellen. Vorsicht ist allerdings bei der Aufbewahrung der Schrauben & Beilagscheiben geboten! Verschlampen geht sehr leicht! Anbei noch ein Link für das fachgerechte Anbringen des Pod.

Die Fahreigenschaften

Mein allererster Eindruck auf dem Flachwasser: Durchaus schnell und erstaunlich wendig! Schaut man sich die bullige Schnauze an, hätte man denken können, man schiebt das Wasser nur so vor sich her. Aber dem ist nicht so! Das Wasser verschwindet ohne zu großen Widerstand unter dem Vorderschiff, und das flache Heck und die Kanten behindern eine mit einem Bogenschlag eingeleitete Drehung nicht!

Auch eine erste Fahrt mit dem großvolumigen Boot auf der Loisach bei wenig Wasser hinterlässt einen bleibenden positiven Eindruck. Es wird Zeit für etwas mehr Wasserdruck am Augsburger Eiskanal:

Setzt man das Boot gegen starke Strömung, verhält sich der Steeze handsam und bricht nicht aus. Größere Fahrfehler lassen sich in voller Fahrt noch korrigieren. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf das Unterschiff und die Kanten. Der Bug weist wie bei Waka nicht anders zu erwarten einen enormen Rocker auf. Dadurch kann das Vorderschiff erst einmal weit über die Kehrwasserlinie geschoben werden. Die Kanten fange erst in der Mitte des Bugs weich an und werden auf dem Weg zum Unterschiff immer definierter. Zudem sind die Kanten etwas nach oben versetzt. Sie greifen also erst, wenn das Gewicht auf die Kante verlagert wird. Mit diesem Konzept lassen sich sogar auf der Kehrwasserlinie noch Korrekturen durchführen. Erst wenn man das Gewicht verlagert und die scharfe Kante des Unterschiffs direkt auf die Strömung trifft, zieht das Boot wie eine Rakete ab. Dabei wirkt der Steeze niemals instabil und lässt sich wirklich sehr leicht auf eine Kante stellen.

Das Heck ohne Pod hat ordentlich Volumen und ist damit verhältnismäßig wenig angreifbar. Kerzeln ist deshalb kein Selbstläufer! Meine ersten Gehversuche enden in einer Rolle. Egal! Jetzt weiß ich, dass der Steeze auch leicht zu rollen ist. Liegt man in meiner Gewichtsklasse (74 kg), müssen Technik und Timing gut zusammenpassen. Mit beharrlichem Übung und einer deftigen Kehrwasserlinie passt man sich mit der Zeit dem Boot an. Dennoch: Ich kann mir vorstellen, dass etwas mehr Kraft und Paddlergewicht hier einen deutlichen Unterschied ausmachen. Dazu hat Waka bei den Serienmodellen das Konzept im Heck noch etwas modifiziert, was wohl zu einer deutlichen Steigerung des Spielpotentials führt.

Und was ist jetzt mit dem Pod? – Vier Schrauben später sitze ich in einem Dickschiff mit 360 Litern! Man spürt das Mehrgewicht im Heck ein wenig, aber das Boot hält trotzdem die Spur. Auf quirligen Verschneidungszonen bleibt das Boot stabil, rückwärts wie vorwärts. Setzt du das Heck in eine Walze, spürst Du den Support durch das zusätzliche Volumen. Auch das Auftauchverhalten verändert sich zum Besseren. Klar! Das Heck verdrängt mehr Wasser und bleibt dadurch an der Oberfläche. Der Pod funktioniert!

Das Fazit

Ein wirklich gelungenes Boot! Wer auf der Suche nach einer hybriden Autoboofmaschine ist, mit extrem schöner Kantenführung und Reserven für dickes Wildwasser, der sollte den Waka Steeze einmal auf eine Testfahrt ausführen. Die eierlegende Wollmilchsau ist das Boot zwar nicht (wegen des hohen Gesamtgewichts mit Pod), dennoch bekommt man dank des Heckaufsatzes zwei Boote mit sich ergänzenden Eigenschaften. Dank seiner aggressiven Kanten spürt man die Strömung auch auf leichtem Wildwasser, und es wird nicht langweilig, mit so viel Volumen herumzufahren. Die Ausstattung ist zudem ohne Makel. Ach ja! Geld und Platz für ein weiteres Boot spart man sich natürlich auch!

Um das Kerzeln von der Pike auf zu lernen, würde ich das Boot nicht empfehlen. Hier macht man sich das Leben unnötig schwer. Wer die Technik schon beherrscht und dazu noch kräftig ist, der kann sich auch mit dem Waka Steeze seine vertikalen Träume erfüllen.

Ich bin auf jeden Fall großer Fan vom Konzept und bin sehr gespannt, wie das Boot in der Szene ankommen wird. Eine Probefahrt ist in jeden Fall zu empfehlen! Ausgiebig testen könnt ihr den Waka Steeze bei paddelladen.de. Es lohnt sich!